Großes Interesse zeigte die regionale Wirtschaft beim Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Deller im Kreishaus Rotenburg am Mittwoch, den 12. November 2025. Unter dem Titel „Arbeitende Rentner sind ein Gewinn für Unternehmen“ beleuchtete der renommierte Wirtschaftspsychologe der Leuphana Universität Lüneburg das enorme Potenzial älterer Erwerbstätiger für die Wirtschaft.
Eingeladen hatten die Wirtschaftssenioren Landkreis Rotenburg/W. e.V. gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises Rotenburg/Wümme und dem Rotenburger Wirtschafts-Forum e.V. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft von Landrat Marco Prietz, der in seiner Begrüßung auf die Bedeutung des Themas einging. Auch RWF-Vorsitzender Heiko Kehrstephan stimmte die rund 40 Gäste auf einen spannenden und informativen Abend im großen Sitzungssaal des Kreishauses ein.
In seinem Vortrag machte Prof. Deller deutlich, dass über 1,3 Millionen arbeitende Rentnerinnen und Rentner in Deutschland einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit leisten – Tendenz steigend. Studien, unter anderem der Bertelsmann Stiftung, zeigen, dass sogenannte „Silver Worker“ mit ihrer Erfahrung, Motivation und Loyalität ein oft unterschätztes Potenzial darstellen.
„Arbeit bedeutet für viele ältere Menschen nicht nur Einkommen, sondern auch Wertschätzung, soziale Teilhabe und Struktur im Alltag. Unternehmen, die dieses Engagement aktiv fördern, profitieren gleich mehrfach – vom Wissenstransfer, von stabilen Teams und einer gestärkten Unternehmenskultur," betonte Prof. Deller.
Ein Schwerpunkt des Abends war die Vorstellung des Later Life Workplace Index (LLWI). Der LLWI ist ein wissenschaftlich fundiertes Instrument, das Unternehmen bei der Analyse und Weiterentwicklung ihrer Arbeitsbedingungen für ältere Mitarbeitende unterstützt. Er evaluiert Faktoren wie Arbeitsgestaltung, Führung, Gesundheitsförderung, Wissenstransfer und Übergänge in den Ruhestand und liefert konkrete Handlungsempfehlungen. Prof. Deller erläuterte, wie Unternehmen mithilfe des LLWI gezielt Bereiche identifizieren können, in denen ältere Mitarbeitende langfristig motiviert und leistungsfähig eingebunden werden.
In der anschließenden kurzweiligen Diskussionsrunde wurden zahlreiche Praxisbeispiele und Möglichkeiten eines gezielten Age Managements vorgestellt – etwa flexible Arbeitszeitmodelle, altersgerechte Arbeitsplätze oder Mentoring-Programme. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können laut Deller hier Vorreiter sein, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von den Impulsen und der praxisnahen Aufbereitung des Themas. Viele nutzten im Anschluss in der Kantine bei leckerer Suppe und Getränken die Gelegenheit zum persönlichen Austausch.

